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title: Freie Software im Verein
subtitle: Handbuch für eine nachhaltige Digitalisierung
author: Hostsharing eG
cover: icon-service-beratung

csl-hanging-indent: true

Vorwort

Dieses Handbuch soll Vereinen helfen, ihre Prozesse verantwortungsvoll, nachhaltig und datenschutzkonform zu digitalisieren.
Freie Software spielt dabei die entscheidende Rolle.
Obwohl der Buchmarkt und das Internet eine Fülle von Informationen über freie und quelloffene Software bereitstellt, sucht man einen Leitfaden, der den Vorständen von Vereinen in der Praxis hilft Entscheidungen zu treffen, bisher weitgehend vergeblich.

In der Hostsharing eG haben sich unter anderem auch zahlreiche Vereine zusammengefunden.
Sie bilden einen breiten Querschnitt durch das deutsche Vereinswesen und stehen bei der Digitalisierung vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen.
Aufgrund ihrer variierenden Anforderungen und den verschiedenen Ausgangsbedingungen haben sie in der Cooperative Community Cloud der Hostsharing eG auch jeweils sehr individuelle Lösungen verwirklicht.
Gemeinsam ist den Lösungen, dass sie in aller Regel mit freier, quelloffener Software umgesetzt werden.

Die Autoren dieses Handbuchs haben die Erfahrungen der Hostsharing-Mitglieder genutzt, um einen praxisorientierten Leitfaden für die Nutzung freier und quelloffener Software in Vereinen und ähnlichen Organisationen zusammenzustellen.
Wir danken allen, die mitgeholfen haben, das Handbuch auf den Weg zu bringen.
\inouter[]{\externalfigure[icons/icon-managedserver][width=9em]}

Digitalisierung im Verein

Um Ehrenamtliche und Mitarbeiter in einem Verein oder in einer NGO professionell zu unterstützen, ist eine sichere und leistungsfähige IT-Infrastruktur erforderlich.
Mit einer Website und einem E-Mail-Konto ist es heute in der Regel nicht mehr getan.
Oft kommen zusätzlich Messenger, Newsletter, Foren oder Social Media zum Einsatz, um Mitglieder, Aktive und Interessenten zu vernetzen.
Immer häufiger wird auch die Mitgliederverwaltung in die Cloud verlegt, damit die ehrenamtlichen Helfer von Zuhause aus arbeiten und auf die Daten zugreifen können.
Spätestens dann sind beim jeweiligen Webhoster professionelle Sicherheitsmaßnahmen wie Redundanz, Storage-Replikation, verlässliche Backup-Strategien und Datenschutz nach der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) [@noauthor_datenschutz-grundverordnung_nodate] gefragt.

Am Anfang steht jedoch die Frage, mit welcher Software Vereine ihre Arbeit zuverlässig und sicher erledigen können.
Wer im Internet nach Software für Vereine sucht, findet kostenpflichtige und kostenlose Verwaltungssoftware für den PC und diverse Online-Angebote, sogenannte Software-as-a-Service-Lösungen, bei denen man seine Daten auf der technischen Infrastruktur eines externen Dienstleisters verwaltet.
Die Auswahl erscheint zunächst groß; wenn jedoch PC-Software nicht in Frage kommt, weil man als Verein übers Internet zusammenarbeiten möchte, reduziert sich das Angebot schnell auf die erwähnten Software-as-a-Service-Lösungen in der Cloud.
Es gibt aber auch Open-Source-Lösungen, die man selbst hosten kann.

Die Mitgliederverwaltung ist für einen Verein natürlich äußerst wichtig.
Mit einer Verwaltungssoftware für Vereine ist die Frage nach der Digitalisierung aber noch nicht beantwortet.
Die eigene Website will mit Inhalten gefüttert werden.
Die angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins brauchen eine E-Mail-Adresse und vielleicht sollen sie auch über einen Messenger erreichbar sein.
Schnell wird eine zentrale Dateiablage notwendig, denn Text- und Tabellendokumente sollen allen Helfern und Mitarbeitern zur Verfügung stehen, ganz egal, wo sie sich gerade befinden.
E-Mail-Newsletter müssen in regelmäßigen Abständen an Vereinsmitglieder und Förderer versendet werden.
Und schließlich und endlich benötigen die Aktiven für ihre Arbeit auch eine Software fürs Projektmanagement.

Die Digitalisierung stellt Vereine also vor große technische und organisatorische Herausforderungen.
In vielen Vereinen ist über die Jahre ein Wildwuchs entstanden.
Jeder nutzt ein anderes Tool.
Die Werkzeuge der Vergänger können oder wollen die Nachfolger oft nicht mehr nutzen.
Und so wird die Situation selbst in kleinen Vereinen schnell unübersichtlich.

Um wenigstens den technischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, greifen viele Vereine zu den erstbesten Cloudlösungen, bei denen sie die notwendigen Aufgaben über den Webbrowser erledigen können.
Das hat zwei Vorteile.
Erstens muss man sich keine Gedanken über die Pflege der Server und der installierten Software machen.
Und zweitens müssen die Aktiven auf ihren privaten Rechnern keine besondere Software installieren, da alles über den bereits vorinstallierten Webbrowser erledigt werden kann.

Bei Cloudlösungen stellt sich jedoch die Frage, ob man seine Daten auch wieder aus der Cloud herausbekommt und wie groß der Aufwand dafür ist.
Seit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung müssen sich die Vereine zudem Gedanken darüber machen, wem sie ihre Daten anvertrauen und wie sie die Vorgaben des Datenschutzes erfüllen können.
Cloudlösungen, die von Unternehmen in den USA angeboten werden, sind problematisch.
Seitdem der Europäische Gerichtshof nach dem Safe-Harbour-Abkommen [@noauthor_safe_2021] auch das Privacy-Shield [@noauthor_eu-us_2021] für ungültig erklärt hat, ist der Transfer persönlicher Daten wie zum Beispiel der Mitgliederlisten eines Vereins eine rechtliche Grauzone.

Wer deshalb zur Sicherheit einen deutschen Cloudservice in Anspruch nimmt, sollte sich genau erkundigen, wo dieser die Daten seiner Kunden speichert.
Speichert er auf einem physikalisch lokalisierbaren Server in Deutschland oder in einer US-Cloud wie AWS oder Azure?
Und natürlich stellt sich auch bei deutschen Software-as-a-Service-Angeboten die Frage, ob man seine Daten problemlos zu einem anderen Dienstleister oder auf eigene Server transferieren kann, wenn man dies einmal möchte.
Ein deutscher Anbieter ist per se kein Schutz vor einem Vendor-Lockin, bei dem man sich als Kunde technisch von einem einzelnen Anbieter abhängig macht.

Vereine, die eine nachhaltige und verantwortungsvolle Digitalisierungsstrategie verwirklichen möchten, suchen also nach Lösungen, die sowohl die aktuellen datenschutzrechtlichen Bestimmungen erfüllen als auch durch freie Software, offene Protokolle und Interoperabilität für eine nachhaltige Digitalisierung ohne Insellösungen und Vendor-Lockins sorgen.
Solche Lösungen wollen wir in diesem Handbuch vorstellen.

Dabei werden wir versuchen, drei Fragen zu beantworten:

  1. Warum sollte man überhaupt freie Software einsetzen?
  2. Nach welchen Kriterien wählt man aus der Vielzahl von Lösungen die richtige aus?
  3. Wie betreibt man freie Software möglichst sicher und datenschutzkonform?

Warum freie Software?

Wenn von freier Software die Rede ist, bezieht man sich in der Regel auf die sogenannten vier Freiheiten, wie sie von der Free Software Foundation definiert wurden: [@noauthor_freie_nodate]

  • Die Freiheit, das Programm auszuführen wie man möchte, für jeden Zweck (Freiheit 0).
  • Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Datenverarbeitungbedürfnissen anzupassen (Freiheit 1).
    Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.
  • Die Freiheit, das Programm weiterzuverteilen und damit Mitmenschen zu helfen (Freiheit 2).
  • Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gesellschaft davon profitiert (Freiheit 3).
    Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.

Stören Sie sich nicht an der seltsamen Nummerierung.
Die Freiheit 0 kam nach Abfassung der übrigen Freiheiten als letzte hinzu, sollte aber in der Aufzählung vor den anderen genannt werden.
Deshalb wurde sie als Freiheit 0 bezeichnet.

\inouter[]{Freie Software ist mehr als Open-Source-Software}
Die Definition freier Software macht deutlich, dass die Offenheit des Programmcodes nicht das Ziel, sondern die Voraussetzung von freier Software ist.
Freie Software ist mehr als Open-Source-Software.

Die Frage, warum man in seinem Verein freie Software einsetzen sollte, ist vor dem Hintergrund diese Definition leicht zu beantworten.
Unfreie, proprietäre Software darf man nämlich nicht immer so ausführen, wie man möchte.
Kommerzielle Hersteller schränken die Ausführbarkeit ihrer Software auf bestimmte Betriebssysteme oder sogar auf bestimmte Endgeräte ein.
Beim Kauf eines neuen Computers werden nicht selten erneut Lizenzgebühren für Programme fällig, die man schon einmal bezahlt hat.
Ein Wechsel des Betriebssystems wird von proprietären Herstellern in der Regel gar nicht unterstützt.
Wenn dann auch noch die Daten in einem proprietären Format vorliegen, gehen diese bei einem Wechsel des Betriebssystems verloren oder müssen mit erheblichem Aufwand gerettet werden.
Da man bei proprietärer Software den Quellcode nicht einsehen kann, fallen die Freiheiten 1 und 3 fort.
Man kann proprietäre Software also weder untersuchen, zum Beispiel um nachzuschauen, ob sie keine illegalen Funktionen enthält, und man kann sie auch nicht verbessern.
Und die Weitergabe eines proprietären Programms wird von den Herstellern ohnehin untersagt und mit hohen Strafen belegt.

Proprietäre Software, und dies ist ein wichtiges Argument, unterbindet die Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen zur Erzielung von Synergien und Mehrwerten.
Sie können als Verein nur dann frei mit anderen Organisationen in Fragen der Digitalisierung zusammenarbeiten, wenn sie offene Software benutzen.

Für die meisten Vereine dürfte sich die Frage, ob man freie Software einsetzen möchte, daher in der Regel nicht stellen.
Die Fragen lautet vielmehr, welche Software eignet sich am besten für den jeweiligen Anwendungszweck.
Und wie kann die Digitalisierung des Vereins gelingen, ohne dass man sich dabei übernimmt.

Wie wählt man freie Software aus?

Die oben zitierte, umfassende Definition freier Software hilft uns bei der Auswahl konkreter Anwendungssoftware.
Denn bei genauerem Hinsehen erweist sich so manche Open-Source-Software als nicht völlig freie Software.
Denn eine Software wird nicht allein von ihrer Open-Source-Lizenz geprägt.
Die Lizenz ist nur ein rechtliches Konstrukt.
In der Wirklichkeit wird eine Software von weiteren Einflussfaktoren bestimmt.

Woran man erkennt, dass es sich bei einer Software wirklich um freie Software handelt, wollen wir im Folgenden beleuchten.
Außerdem werden wir weitere Kriterien vorstellen, die bei der Auswahl der Software als Entscheidungshilfe dienen können.

Wird die Software von einer breiten Community getragen?

Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl freier Software ist die Entwickler-Community, die hinter der Software steht.
Idealerweise besteht die Community einer Software aus vielen einzelnen Entwicklern und vielen kleinen Entwicklungsunternehmen.
Ungünstig ist es, wenn eine Software nur von einer Partei entwickelt wird, also von einem einzelnen Entwickler oder einem einzelnen Unternehmen.
Eine solche Konstellation birgt zwei Risiken.

  1. Wenn der einzige Entwickler einer Software ausfällt, ist ihre weitere Pflege ungewiss.
    Sicherheitslücken werden dann oft nicht mehr geschlossen; und auf neue Features warten die Nutzer vergeblich.
    Die digitale Welt ist aber so schnelllebig, dass Software, die nicht mehr aktiv weiterentwickelt wird, in Windeseile veraltet und zu einem Sicherheitsrisiko wird.

  2. Wenn die Entwicklung einer Software von einem Unternehmen dominiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass – allen Beteuerungen der Werbeabteilung zum Trotz – in erster Linie die Interessen des Unternehmens und nicht die der Nutzer im Fokus stehen.
    Außerdem kann die kontinuierliche Weiterentwicklung der Software unterbrochen werden, wenn das Unternehmen von einem anderen Unternehmen aufgekauft wird, das seinerseits kein Interesse an der Software zeigt.
    Da Entwickler in der Regel Namensrechte an ihrer Software halten, muss diese nach einem solchen Ereignis unter einem neuen Namen weiterentwickelt werden.
    Die gängigen Open-Source-Lizenzen ermöglichen zwar einen Fork der Software, und sichern damit prinzipiell die Weiterentwicklung auch ohne die Unterstützung des dominierenden Unternehmens, die juristisch notwendige Umbenennung der Software verunsichert jedoch die Nutzer, was der Community insgesamt schadet.

Vereine sollten deshalb darauf achten, sich möglichst nicht von Software abhängig zu machen, die von einem Unternehmen dominiert wird.
Sicherer ist es, Software auszuwählen, die unter dem Schutz einer gemeinnützigen Stiftung entwickelt wird.
Bekannte Beispiele, wo dies der Fall ist, sind der Webbrowser Firefox [@noauthor_browser_nodate] mit der Mozilla Foundation [@noauthor_mozilla_nodate], die Programmiersprache Python [@noauthor_welcome_nodate] mit der Python Software Foundation [@noauthor_welcome_nodate-1], das CMS Plone [@noauthor_startseite_nodate] mit der Plone Foundation [@roeland_plone_nodate] und die Office-Suite LibreOffice [@noauthor_home_nodate] mit The Document Foundation [@noauthor_home_nodate-1], einer Stiftung deutschen Rechts.

Welche Folgekosten verursacht die Software?

Jeder Verein will mit seinen Ressourcen gut haushalten.
Deshalb ist es wichtig, von Anfang an die Folgekosten der Software-Nutzung im Blick zu haben.
Folgekosten entstehen im wesentlich auf drei Ebenen.

Technischer Ressourcenaufwand
Es gibt Software, die viele technische Ressourcen benötigt, und Software, die mit wenig zufrieden ist.
Eine statische Website lässt sich problemlos in einem kleinen Webspace betreiben.
Komplexere Systeme benötigen einen virtuellen Server mit dediziert zugewiesenen CPU-Threads und viel Arbeitsspeicher.
Durch eine geschickte Planung lässt sich aber der Gesamtaufwand leicht reduzieren.
Mehrere Softwarepakete können beispielsweise problemlos auf einem bereits anderweitig benutzten, aber gut ausgestatteten Server mitlaufen.
Installations- und Wartungsaufwand
Komplexe Systeme zu installieren und zu warten, erfordert einen entsprechend hohen Personalaufwand.
Einfache Systeme oder Software, die ohnehin standardmäßig installiert ist, verursacht weniger Aufwand.
Bei komplexer Software kann meist viel konfiguriert werden, was in der Praxis dann auch oft notwendig wird.
Sicherheits-Updates, die immer zeitnah eingespielt werden sollten, benötigen bei komplexer Software in dder Regel mehr Zeit als bei einfachen Standardsystemen.
Schulungsaufwand
Selbst die einfachste Software ist im Grunde ein sehr komplexes Werkzeug.
Die Anwenderinnen und Anwender müssen sich deshalb erst einmal einarbeiten, um sie überhaupt nutzen zu können.
Häufig kann sogar eine Schulung erforderlich sein.
Der Einarbeitungs- undd Schulungsaufwand sollte bei der Digitalisierung bedacht werden.
Software, die sich intuitiv bedienen lässt, kann den Aufwand begrenzen.
Er ist jedoch nicht allein von der Software als solcher abhängig, sondern vor allem von der Aufgabe, die man mit ihrer Hilfe erledigen möchte.

Generell empfiehlt sich in allen drei Bereichen der KISS-Ansatz (Keep it stupid simple).
Wenn zwei gleichwertige Lösungen zur Auswahl stehen, spricht vieles dafür, die einfachere zu bevorzugen.

Was sagen Datenschützer zu der Software?

Mit dem Einsatz freier Software sind Datenschutzanforderungen nicht automatisch schon erfüllt.
Wer Software auswählt, sollte deshalb darauf achten, dass sie die Leitlinie der Datensparsamkeit erfüllt.
Jede eingesetzte Software sollte nicht mehr persönliche Daten speichern, als zur Erfüllung der Aufgabe notwendig ist.
Daten, die gar nicht erst erhoben werden, können auch nicht in falsche Hände geraten.
Außerdem ist es wichtig, dass die Software eine Möglichkeit bietet, persönliche Daten nach sinnvollen Kriterien auch wieder zu löschen.
Bei einer Mitgliederverwaltung sollte es beispielsweise möglich sein, personenbezogene Daten von ausgeschiedenen Mitgliedern entsprechend gesetzlicher Fristen aus dem System komplett zu entfernen.

Kann die Software angepasst und erweitert werden?

In Freiheit 3 wird uns versprochen, dass wir die Software verbessern dürfen.
Was aufgrund des offenen Quellcodes und einer entsprechenden Open-Source-Lizenz prinzipiell möglich ist, gestaltet sich in der Praxis oft schwierig.
In der täglichen Anwendung spielt die Möglichkeit, den Quellcode zu verändern, glücklicherweise meist eine untergeordnete Rolle.
Viel wichtiger ist, dass eine Software über ordentliche Schnittstellen verfügt, sodass sie mit anderen Komponenten verknüpft werden kann.
Wenn die Software über einen Plugin-Mechanismus verfügt, lassen sich zusätzliche Funktionen mit überschaubarem Aufwand integrieren; besitzt sie standardisierte Schnittstellen lässt sie sich gut in den übrigen Software-Zoo integrieren.

Denn zur Erfüllung des KISS-Prinzips bevorzugen wir es, einfache und leicht zu wartende Einzelkomponenten zu einem leistungsfähigem Gesamtsystem zusammenzustellen.

Wie betreibt man freie Software sicher und datenschutzkonform?

Der Betrieb von Software erfordert viel Know-how; insbesondere dann, wenn die Software über das Internet erreichbar ist.
Eine lange Liste von Anforderungen ist hier zu beachten.

  • Alle Server und Netzwerke sowie viele verschiedene Softwarepakete müssen richtig installiert und über Jahre hinweg ordentlich gepflegt werden.
  • Die digitale Infrastruktur muss vor Angriffen von außen geschützt werden.
  • Der Betrieb der Dienste muss auch dann gewährleistet sein, wenn einzelne Komponenten ausfallen.
  • Bei versehentlicher Datenlöschung muss ein Backup bereitstehen, dass in kurzen Abständen erstellt wird und schnell wieder eingespielt werden kann.
  • Im Falle eines katastrophalen Zwischenfalls im Rechenzentrum muss ein entferntes Backup zur Verfügung stehen, um die Fortführung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten.

Dass ein Verein für diese Zwecke eigene Systemadministratoren beschäftigt, dürfte selbst bei größeren Vereinen eher die Ausnahme als die Regel sein.
Was liegt da näher als die technische Infrastruktur gemeinsam mit anderen Vereinen zu betreiben?
Denn Gemeinsamkeit ist das, was Vereine auszeichnet.
Sie schaffen gemeinsam, was ein Einzelner nicht vermag.
Dieser Grundgedanke wird auch von Genossenschaften wie der Hostsharing eG realisiert.
Hostsharing ist ein Zusammenschluss von kleinen und mittelständischen Unternehmen, von Vereinen und Organisationen sowie von vielen Einzelpersonen, die ihre digitalen Anwendungen gemeinsam auf einer Cooperative Community Cloud betreiben wollen.

Genossenschaftliches Hosting seit über 20 Jahren{width=12cm}

Hostsharing – eine Genossenschaft für Vereine

Während Sie als Verein einen ideellen Zweck fördern, hat eine Genossenschaft die Aufgabe, ihre Mitglieder wirtschaftlich zu fördern.
Dies ist sogar im Genossenschaftsgesetz in §1 gesetzlich vorgeschrieben. [@noauthor__nodate].
Die Hostsharing eG erfüllt diesen gesetzlichen Förderauftrag, indem sie ihren Mitgliedern zu günstigen Konditionen, nämlich in der Regel zum Selbstkostenpreis, eine professionelle Betriebsplattform mit sehr hohen Sicherheitsstandards zur Verfügung stellt.
Kaum ein Verein könnte eine solche Plattform selbst aufbauen.
Aber was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.

Bei Hostsharing sind Vereine nicht bloß einfache Kunden.
Sie sind Mitglieder der Genossenschaft und damit Miteigentümer des Unternehmens, von dem sie Leistungen beziehen.
Sie können in der digitalen Generalversammlung von Hostsharing den Vorstand und den Aufsichtsrat wählen und über die grundsätzliche Ausrichtung der Genossenschaft entscheiden.
Wenn die Mitglieder bei Hostsharing den Service anrufen, sprechen Sie nicht mit einer anonymen Hotline, sondern mit einer Genossin oder einem Genossen, der die gleichen Interessen hat wie sie.

Mehr über Hostsharing erfahren Sie auf der Website der Genossenschaft unter https://www.hostsharing.net

Aufgabenbereiche & Software

In diesem Kapitel beschreiben wir typische Aufgabenbereiche, um die sich ein Verein bei der Digitalisierung kümmern muss.
Nicht jeder Verein benötigt eine Softwarelösung für jede der im Folgenden beschriebenen Aufgaben.
Manche Aufgaben sind dringlicher als andere.
Aber für alle Aufgaben gibt es gute Open-Source-Lösungen, die ein Verein einsetzen kann.

Hardware & Betriebssysteme

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAB[linux]}}
72 % aller Vereine arbeiten ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften. [@priemer_vielfalt_2017].
Wer sich freiwillig in einem Verein engagiert, benutzt dabei häufig seine eigenen Rechner.
Eine vereinseigene, digitale Infrastruktur steht meist nur in der Geschäftsstelle zur Verfügung.
Die Folge ist, dass im Verein eine Vielzahl von Betriebssystemen zum Einsatz kommt.
Anders als im beruflichen Umfeld, wo nach wie vor Windows dominiert, dürfte das Bild im Verein deutlich heterogener sein.
Genaue Zahlen über die prozentuale Verteilung von Betriebssystemen (Linux, Windows, Mac OS X) in Vereinen liegen nicht vor.

\inouter[]{Auf proprietären Betriebssystemen gibt es keine Freiheit.}
Auf proprietären Betriebssystemen ist digitale Souveränität unmöglich.
Punkt.
Früher oder später wird man durch den Hersteller des Betriebssystems genötigt, bestimmte Technologien zu nutzen oder sogar seine Daten in der Cloud des Herstellers abzulegen.
Auch wenn die Nötigung als Serviceangebot mit auf den ersten Blick einfachen, preiswerten und perfekt integrierten Lösungen daherkommt, bleibt es eine Nötigung.
Man verliert seine digitale Unabhängigkeit, sobald man seine Daten den Cloud-Diensten der Betriebssystemhersteller anvertraut.
Man macht sich von einem Hersteller abhängig, der die Konditionen bestimmen kann.

Vereine, denen ihre digitale Freiheit wirklich wichtig ist, werden deshalb früher oder später eine Konsolidierungsstrategie verfolgen, bei der sie ausgehend von der Geschäftsstelle nach und nach alle angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter mit Endgeräten ausstatten, auf denen ein freies Betriebssystem installiert ist.

Das Ziel eine freie Infrastruktur im Verein zu realisieren, mag auf den ersten Blick ambitioniert wirken.
Wenn man jedoch genauer hinschaut, werden die Hürden immer kleiner.
Ratgeberliteratur für den Umstieg von Windows auf Linux gibt es zuhauf.
Die Zahl der Lieferanten, die Hardware mit einer vorinstallierten Linux-Distribution anbieten, wächst von Jahr zu Jahr.
Es gibt auch immer mehr IT-Dienstleister, die für ihre Kunden individuell konfigurierte Desktop-Rechner und Notebooks auf Basis freier Betriebssysteme zusammenstellen.
Und selbst dann, wenn das Budget für einen externen IT-Dienstleister nicht ausreicht, kann der Umstieg gelingen, da auch erfahrene Laien mittlerweile aktuelle Linux-Installationen problemlos installieren können.
Und dort, wo die finanziellen Möglichkeiten ganz eng begrenzt sind, können Vereine auf gebrauchter Hardware, die sie preisgünstig erworben haben, ein freies Betriebssystem installieren oder installieren lassen.
Es gibt sogar Vereine, die sich darauf spezialisiert haben, gebrauchte Hardware mit einem modernen GNU/Linux auszustatten und an Bedürftige und gemeinnützige Vereine zu spenden.[@noauthor_standorte_nodate]

Natürlich können Vereine ihren freiwilligen Helfern nicht wie Unternehmen ihren Mitarbeitern vorschreiben, welches Betriebssystem sie nutzen sollen.
Aber sie können mit gutem Beispiel vorangehen und den Einsatz freier Betriebssysteme und freier Software wo immer möglich fördern.

Bei der Auswahl einer geeigneten Linux-Distribution kann man sich an den oben genannten Kriterien für die Auswahl freier Software orientieren.
Eine Distribution, die vielen dieser Kriterien gerecht wird, ist zum Beispiel Debian.[@noauthor_debian_2021]
Eine Liste mit Distributionen gibt es auf Wikipedia.[@noauthor_liste_2021-2]

Die eigene Domain

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[globe]}}
Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung im Verein ist die eigene Domain.
Ohne eine eigene Domain läuft nichts.
Der Domainname ist Bestandteil aller E-Mail-Adressen des Vereins und aller Webadressen, unter denen die Website des Vereins und weitere Webanwendungen erreichbar sind.
Der Domainname eines Vereins kann schnell bekannter werden als sein eigentlicher Name.
Daher stellt die eigene Domain für den Verein mehr als bloß einen ideellen Wert dar.
Domains sind als Vermögensgegenstände sogar pfändbar.

Bereits bei der Wahl eines Domainnamens und seiner Verwaltung sollten Verein daher sehr sorgfältig vorgehen.
Um unangenehmen Überraschungen vorzubeugen, sollte man darauf achten, dass der Verein auch wirklich als Eigentümer seiner Domain eingetragen ist und die Rechte für die Domain nicht bei einem einzelnen Mitglied oder einem externen Dienstleister liegen.

Wenn Sie als Verein keinen unmittelbaren Zugriff auf Ihre Domain besitzen, weil diese von einer dritten Person verwaltet wird, können Sie nur bei der jeweiligen Registrierungsstelle erfahren, ob Ihr Verein als Eigentümer der Vereins-Domain eingetragen ist.
Für .de-Domains ist das die Denic eG [@noauthor_denic_nodate].
Wenn Sie als Verein beispielsweise nicht mehr wissen, wer Ihre Domain verwaltet, können Sie eine entsprechende Anfrage stellen.
Die Denic eG beschreibt das Vorgehen auf ihrer Website. [@noauthor_faqs_nodate]

Als Mitglied der Hostsharing eG erhalten Sie direkten Zugriff auf das Domainbestellsystem [@noauthor_domain-bestellsystem_nodate-1] und können Ihre Domains selbst verwalten.

E-Mail

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[envelope]}}
Die elektronische Post gehörte zu den ersten Anwendungen überhaupt, die im Internet realisiert wurden.
E-Mail ist so lange dabei, dass ihr fast schon etwas Altertümliches anhaftet.
Sie ist im Internet aber das universale Kommunikationsmittel schlechthin.
Denn so gut wie jede Organisation und nahezu alle im Internet aktiven Personen haben eine E-Mail-Adresse.
Die Erreichbarkeit über E-Mail ist daher eine Selbstverständlichkeit.

Gerade weil E-Mail so selbstverständlich ist, lohnt es sich, die E-Mail-Infrastruktur eines Vereins sorgfältig zu planen.

Es beginnt bei den E-Mail-Adressen.
Personen kommen und gehen, die Funktionen bleiben gleich.
Richten Sie deshalb für Ihren Verein Funktions-E-Mailadressen wie vorstand@ oder buchhaltung@ ein und geben Sie den jeweils verantwortlichen Personen Zugang zu diesen Postfächern oder leiten Sie eingehende E-Mails an die entsprechen Personen-Accounts weiter.

Einige Vereine versenden in regelmäßigen Abständen per E-Mail Newsletter an Mitglieder, Interessierte und Spender.
Achten Sie darauf, dass Ihre Infrastruktur darauf vorbereitet ist, sodass Sie nicht gezwungen sind, externe Dienstleister damit zu beauftragen.

Vereine, die per E-Mail viele Nachfragen erhalten, sollten prüfen, ob sie diese Arbeit über ein Ticketsystem besser organisieren können.
Vereine, die intern eine offene Diskussionskultur pflegen, können dazu Mailinglisten einrichten.

Und da auch Vereine verpflichtet sind, ihre elektronische Geschäftskorrespondenz zu archivieren, lohnt es sich über ein automatisiertes System zur E-Mail-Archivierung nachzudenken.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass E-Mail der einzige digitale Kommunikationskanal ist, der wirklich universell zugänglich ist.
Wenn Personen überhaupt über einen digitalen Kanal erreichbar sind, so ist dies in aller Regel die elektronische Post.
E-Mail ist daher auch ein geeigneter Kanal für die offizielle Kommunikation zwischen dem Verein und seinen Mitgliedern.
Per E-Mail lassen sich rechtlich relevante Dokumente wie Aufnahmeanträge, Rechnungen oder Änderungen der Geschäftsbedingungen versenden.
Die Hostsharing eG führt per E-Mail sogar genossenschaftliche Mitgliederversammlungen durch.

Wenn Sie E-Mail in Ihrer Mitgliederkommunikation nutzen wollen, achten Sie darauf, dass Ihre Satzung diesen Weg nicht ausschließt.

Mail-Clients

Auf jedem internettauglichen Endgerät dürfte wenigstens ein Mail Client vorinstalliert sein.
Nicht alle eignen sich für einen problemlosen Einsatz im Open-Source Umfeld.
Empfehlenswert sind Open-Source Mail-Clients wie Thunderbird [@noauthor_thunderbird_nodate], die für alle gängigen Betriebssysteme erhältlich sind.
Wenn das Vereinsteam sich auf einen Mail Client einigen kann, können sich alle gegenseitig bei der effizienten Benutzung helfen.

Da die allermeisten Open-Source Mail-Clients und auch viele proprietäre Programme jedoch in der Regel alle erforderlichen Funktionen mitbringen, spricht auch nichts dagegen, wenn jedes Vereinsmitglied weiterhin seinen Lieblingsprogramm benutzt.

Die Generation Google ist mit Webmail großgeworden und weiß häufig gar nicht mehr, wie ein Mail Cleint bedient wird.
Das ist eine gefährliche Entwicklung.
Es gibt zwar auch Open-Source-Software für Webmail.
Sie wird im Kapitel Webmail vorgestellt.
Solche Systeme vergrößern jedoch die Zahl der voneinander abhängigen Programme, was unserem KISS-Grundsatz widerspricht.
Die Hostsharing eG betreibt für ihre Mitglieder ein Webmail-System, sodass diese sich darum nicht kümmern müssen.

POP3 und IMAP

Das Post Office Protokol (POP3) [@noauthor_post_2021] und das Internet Message Access Protocol (IMAP) [@noauthor_internet_2020] sind zwei Protokolle, mit denen man seinen E-Mails abrufen kann.

Obwohl beide Protokolle von den meisten E-Mail-Providern und E-Mail-Clients unterstützt werden, ist die Bedeutung von POP3 rückläufig.
IMAP macht es dem Anwender leichter, von verschiedenen Endgeräten aus, auf sein E-Mail-Konto zuzugreifen.
Wurde eine E-Mail beispielsweise auf dem Smartphone geöffnet, wird sie später auch auf dem Desktop als gelesen gekennzeichnet.

Beim IMAP-Protokoll verbleiben die E-Mails auf dem Server.
Bei POP3 werden E-Mails auf den lokalen Rechner heruntergeladen und, je nach Konfiguration auf dem Server gelöscht.
Das spart zwar Speicherplatz auf dem Server, macht es aber unmöglich, mit mehreren Personen zum Beispiel ein Funktions-E-Mail-Konto wie buchhaltung@ oder info@ zu nutzen.
Vereine sollten deshalb IMAP bevorzugen.

Webmail {#kap-webmail}

Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, auf ihre E-Mails über ein Webfrontend zuzugreifen.
Es kann daher eine gute Ergänzung sein, den Nutzern zusätzlich zu POP3 und IMAP auch ein solches Interface anzubieten.
Es gibt eine Reihe von dezidierten Open Source Webmail Clients wie Horde [@noauthor_horde_nodate] oder Roundcube [@noauthor_roundcube_nodate].
Daneben bietet aber auch Nextcloud einen Webmail-Client [@noauthor_mail_nodate]

Das Webmail-System von Hostsharing basiert auf Roundcube.

Maileingangs- und -ausgangsserver

Der Betrieb eigener Maileingangs- und -ausgangsserver erfordert ein nicht unerhebliches Know-how.
In der Regel übernimmt Ihr E-Mail-Provider diese Aufgabe.
Sie müssen die Internetadressen der Server dann nur noch in Ihren Mail-Clients eingeben.

Wenn Sie häufig Rundmails an Ihre Mitglieder oder an Spender versenden, empfiehlt es sich, diese über einen gesonderten Ausgangsserver zu versenden.
Fragen Sie Ihren Provider, ob der neben dem üblichen Mail-Ausgangsserver einen zweiten Server für Massenaussendungen betreibt.
Hostsharing betreibt eine solche parallele Infrastruktur.[noauthor_452_nodate]
Nutzen Sie den Massen-Ausgangsserver für den Versand von Newslettern, Forenbenachrichtungen und der Betrieb von Mailinglisten.
Sie schützen damit die Reputation des normalen Ausgangsservers und verhindern, dass dieser zum Beispiel durch den massenhaften Versand eines Newsletters irrtümlich wegen Spamverdachts auf einer Blockliste landet.

Mailinglisten

Wenn ein Verein seinen Mitgliedern die Möglichkeit eröffnen möchte, sich auf digitalem Wege auszutauschen, sind Mailinglisten immer noch das Mittel der Wahl.
Denn so gut wie jeder, der im Internet aktiv ist, hat eine E-Mail-Adresse.

Für den Betrieb von Mailinglisten gibt es spezielle Programme wie Mailman[@noauthor_gnu_nodate], Sympa [@noauthor_sympa_nodate] oder das schlanke mlmmj [@noauthor_mlmmj_nodate].
Relativ jung ist das Programm listmonk [@noauthor_listmonk_nodate].
Es wird im nächsten Absatz beschrieben, da es Funktionen mitbringt, die für den Versand von Newslettern gedacht sind.

Für kleine Mailinglisten und E-Mail-Verteiler eignet sich mlmmj.
Es kann allerdings nur über die Kommandozeile bedient werden.
Mailman und Sympa bieten eine grafische Benutzeroberfläche.
Diese Programme eignen sich vor allem für Vereine, die mehrere Mailinglisten betreiben wollen, zum Beispiel in einem Sportverein für jede Abteilung.

Newsletter

Der intensive Kontakt zu Mitgliedern, Förderern und Freunden des Vereins sowie zu Interessenten ist unverzichtbar für ein gutes Vereinsleben.
Ein Element, um diesen Kontakt über digitale Kanäle zu pflegen, sind Newsletter.
In einem Newsletter können Sie in regelmäßigen Abständen über Neuigkeiten im Verein informieren.
Newsletter vom Vorstand des Vereins oder von einer eigenen Redaktion formuliert werden.

Beim Versand von Newslettern sind gesetzliche Bestimmungen zu beachten.
Viele Vereinsvorstände sind unsicher, ob sie alles richtig machen, weshalb sie entweder ganz auf dieses Mittel verzichten oder es in die Hände eines spezialisierten Dienstleisters legen.
Letzteres ist aus zwei Gründen problematisch.
Erstens entlässt es den Verein nicht völlig aus der Haftung und zweitens gelangen personenbezogene Daten in die Hände eines Dritten.
Nach der Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) [@noauthor_eur-lex_nodate] müssen Vereine mit diesen Dritten eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung abschließen.

Der Versand eines Newsletters erfolgt im einfachsten Fall über eine Mailingliste, die eigens für diesen Zweck angelegt wurde.
Sie wird dazu so konfiguriert, dass nur die Verantwortlichen im Verein über die Liste eine E-Mail mit dem Newsletter versenden können.
Vereine, die bereits Software für Mailinglisten im Einsatz haben, müssen also oftmals keine zusätzliche Software einsetzen.

Für ein aktives E-Mail-Marketing bieten Mailinglisten-Programme jedoch nicht alle gewünschten Funktionen wie zum Beispiel eine Segmentierung der Abonnenten oder die Möglichkeit Kampagnen durchzuführen und auszuwerten.
Dann können Newsletter-Programme wie phplist[@gingerling_phplistorg_nodate] oder listmonk [@noauthor_listmonk_nodate] zum Einsatz kommen.

Die Software phplist ist seit über 20 Jahren auf dem Markt und besitzt eine große Community.
Mit phplist können auch Mailinglisten verwaltet werden.

Listmonk ist in Go, einer relativ jungen Programmiersprache, geschrieben.
Das Programm besteht aus einem einzelnen Binary, was die Installation erheblich vereinfacht.
Die einzige Abhängigkeit ist eine PostgreSQL-Datenbank.
Die Software verwaltet Mailinglisten, Abonnenten und Kampagnen.
Sie unterstützt auch den Versand von Nachrichten über Messengerdienste und ermöglicht es dem Abonnenten über ein Webinterface seine Daten zu exportieren und zu löschen.

Revisionssichere Archivierung

Für geschäftliche Unterlagen gelten Archivierungsvorschriften.
E-Mails und andere digitale Dokumente gehören heutzutage selbstverständlich dazu.
Vereine sollten sich deshalb Gedanken über die Archivierung ihrer E-Mails machen.

Die einfachste Lösung besteht darin, von jeder ein- und ausgehenden E-Mail eine Kopie an ein besonderes Postfach zu senden, auf das nur berechtigte Personen Zugriff haben.
Fragen Sie Ihren E-Mail-Provider, ob er eine solche Weiterleitung einrichten kann.
Achten Sie darauf, dass von dem Postfach regelmäßig Backups angefertigt werden.

Wer weitergehende Funktionalität benötigt, kann die Mailpiler [@noauthor_start_nodate] einsetzen.
Mailpiler speichert die Nachrichten in verschlüsselter und komprimierter Form.
Die Daten werden von einer Suchmaschine indiziert, sodass der gesamte E-Mail-Bestand durchsuchbar ist.
Außerdem können Aufbewahrungsfristen gesetzt werden.
Der Hersteller der Software bietet neben der Open-Source-Version auch eine kommerzielle Version an, die weitere Features bietet.

Diskussionsforum

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[comments]}}
Die klassische Alternative zu einer Mailingliste ist ein webbasiertes Diskussionsforum.
Obwohl Mailinglisten und Diskussionsforen auf den ersten Blick die gleich Aufgabe lösen, nämlich Menschen mit gleichen Interessen kommunikativ zu vernetzen, sind die Unterschiede zwischen den Lösungen erheblich.

Eine Mailingliste richtet sich an einen bestimmten Empfängerkreis – auch dann, wenn ihr Archiv öffentlich zugänglich ist.
Ein Forum ist eine öffentlich zugängliche Website, außer wenn der Zugang nur registrierten Personen möglich ist.
Wenn, wie zum Beispiel in einem Hilfeforum, die Kommunikation sich an einen prinzipiell unbegrenzten Empfängerkreis richtet, fällt die Wahl oft auf ein Forum.

Ein Forum kann in Bereiche gegliedert werden, früher nannte man das Schwarze Bretter, in denen bestimmte Themen diskutiert werden.
Dadurch entsteht eine gewisse Ordnung und Übersichtlichkeit, die in bestimmten Kontexten erwünscht ist.

Nutzer, die mit vielen Communities vernetzt sind, bevorzugen jedoch in der Regel Mailinglisten, da sie diese in einem guten Mail-Client sehr viel effizienter verwalten können.
Wenn man in zehn verschiedenen Diskussionsforen aktiv sein will, muss man jedes einzelne Forum regelmäßig im Webbrowser öffnen.
Und da jede Forensoftware ein leicht anderes Benutzer-Interface hat, muss man sich jedesmal beim Wechsel eines Forums auf das neue Interface einstellen.

Die Frage, ob Sie den Mitgliedern Ihres Vereins ein Forum zur Verfügung stellen wollen, sollte also gut abgewogen werden.

An Forensoftware herrscht kein Mangel.
Die lange Zeit führende Open Source Foren-Software war phpBB [@noauthor_phpbb_nodate].
Einen etwas anderen Ansatz verfolgen Discourse [@noauthor_discoursediscourse_2021] und Flarum [@noauthor_flarum_nodate].
Während der Software-Stack von Discourse relativ komplex ist, was Installation und Wartung aufwändiger macht, ist Flarum in PHP programmiert und ist sehr viel leichter zu installieren und zu pflegen. [@noauthor_flarum_nodate-1]

Einen ganz anderen, aber hoch interessanten Ansatz bietet Lemmy. [@noauthor_lemmy_nodate]
Es handelt sich dabei um eine föderierte Alternative zu Reddit, ein dezentrales Forum oder einen föderierten Link-Aggregator wie Hacker News.
Wem Reddit [@noauthor_httpswwwredditcom_nodate] und Hacker News [@noauthor_hacker_nodate] nichts sagen, kann sich die Plattformen als Communities vorstellen, in denen in themenspezifischen Gruppen Links, Bilder, Texte und Kommentare gepostet und diskutiert werden können.
Mit Lemmy hat ein Verein die Möglichkeit, vereinsintern oder öffentlich eine Community aufzubauen und zu pflegen, in der Links und Kommentare zu vereinsspezifischen Fragen geteilt und diskutiert werden.

Lemmys Benutzeroberfläche ist von Reddit inspiriert{width=12cm}

Wer sich auf einer Lemmy-Instanz registriert, kann in einer thematischen Gruppe Links mit beliebig langem Kommentar oder Nachrichten posten, diese kommentieren und bewerten (Up-Vote/Down-Vote).
Ferner kann jeder registrierte Nutzer selbst eine thematische Gruppe (Community) anlegen und moderieren sowie anderen Teilnehmern Moderationsrechte einräumen.

Der Clou an Lemmy ist nicht, dass es eine Alternative zu dem überaus erfolgreichen Reddit ist, sondern dass es ein über das ActivityPub-Protokoll [@noauthor_activitypub_nodate] föderiertes System ist.
Wer auf einer Lemmy-Instanz registriert ist, kann auch in den Diskussionsgruppen auf anderen Instanzen aktiv sein.

Vereine mit einer großen und vielfältigen Mitgliedschaft, wie zum Beispiel Sportvereine, können durch eine vereinseigene Lemmy-Instanz Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen ein thematisch breit aufgestelltes und individuell nutzbares Diskussionsforum an die Hand geben.
Überdies eröffnen sich ihnen die Möglichkeit, Nachrichten auf anderen Instanzen zu lesen und zu diskutieren.
Letztlich ist Lemmy damit auch ein gutes Werkzeug, um Mitglieder an den Verein zu binden und Nicht-Mitglieder für den Verein zu begeistern.

Lemmy ist eine sehr junge Software, die sich noch in der Entwicklung befindet, sodass damit zu rechnen ist, dass sich der Funktionsumfang vergrößert.

Aufgrund der Implementierung des ActivityPub-Protokolls können Lemmy-Instanzen übrigens auch mit anderen Netzwerken wie zum Beispiel dem Microblogging-Dienst Mastodon Nachrichten austauschen.
Mastodon wird im Kapitel Social Media vorgestellt.

Messenger

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[paper-plane]}}
Instant Messenger versprechen eine schnelle und direkte Kommunikation über das Smartphone, ohne dass die eintreffende Nachricht den Empfänger gleich so stark ablenkt wie ein Telefongespräch.
Eine Chat-Nachricht hat außerdem einen informelleren Charakter als eine E-Mail und ist – zumindest subjektiv – schneller geschrieben.
Das macht Instant Messenger für den Einsatz in Vereinen interessant, wenn sich die Mitglieder untereinander zwanglos vernetzen wollen.

Das Chatten unter Freunden und Kollegen ist so beliebt, dass viele verschiedene Messengerdienste entstanden sind.
Das bekannteste und kommerziell erfolgreichste System ist WhatsApp, ein Dienst, der zu Facebook gehört und vor dem Datenschützer regelmäßig warnen.
Glücklicherweise gibt es Alternativen.

Die alternativen Lösungen basieren auf unterschiedlichen Protokollen [@noauthor_liste_2021], die nicht immer untereinander kompatibel sind.
Einige Systeme können über sogenannte Bridges miteinander verbunden werden.
Bei der Auswahl einer geeigneten Vereinslösung gibt es also einiges zu bedenken.

Wenn Sie digitale Unabhängigkeit und ein hohes Datenschutzniveau anstreben, fallen die proprietären Systeme, bei denen Nachrichten und Metadaten über einen zentralen Server geleitet werden, sofort unter den Tisch.
Denn hier ergeben sich Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit und des Datenschutzes.
Manchmal können die Nachrichten selbst zwar Ende-zu-Ende verschlüsselt werden, sodass der Diensteanbieter sie nicht mitlesen kann.
Aber die Metadaten, also zum Beispiel die Information, wer wann mit wem kommuniziert hat, werden in der Regel nicht verschlüsselt.

Es ist daher empfehlenswert, einen Messengerdienst auf eigener Infrastruktur zu betreiben oder ein System zu nutzen, das nach dem Peer-to-Peer-Modell funktioniert und ganz ohne einen zentralen Server auskommt.

XMPP

\inouter{XMPP – die Mutter aller Messengerprotokolle}
Zahlreiche Messenger nutzen das standardisierte Extensible Messaging and Presence Protocol (XMPP) [@noauthor_xmpp_nodate], das eigens für die Echtzeit-Kommunikation entwickelt wurde und weit verbreitet ist. [@noauthor_extensible_2021]
Auch WhatsApp und Signal basieren auf dem XMPP-Protokoll.
Die Hersteller haben die Protokolle jedoch so modifiziert, dass ihre Nutzer nicht mehr mit Nutzern anderer XMPP-Messenger kommunizieren können: ein typisches Verhalten von Unternehmen, die freie Software nutzen, um die Unfreiheit ihrer Kunden zu steigern.

Viele kennen XMPP unter dem Namen Jabber.
Das Protokoll ermöglicht den Austausch von Nachrichten zwischen zwei oder mehreren Benutzern.
XMPP zeigt den Online-Status der Benutzer an und kann auch Dateien zwischen zwei Teilnehmern übertragen.
Mit Hilfe von Erweiterungen [@noauthor_xmpp_nodate-1] können zusätzliche Funktionen implementiert werden, sodass das Messengersystem den individuellen Bedürfnissen eines Verein angepasst werden kann.
So ist zum Beispiel mit der Erweiterung OMEMO [@noauthor_omemo_2021] eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichten möglich, die Perfect Forward Secrecy [@noauthor_perfect_2021] und Plausible Deniability [@noauthor_glaubhafte_2021] gewährleistet.
Das erste bedeutet, dass der kurzzeitig gültige Sitzungsschlüssel, der die Kommunikation verschlüsselt, mit Hilfe der beiden Langzeitschlüssel der Gesprächsteilnehmer so ausgehandelt wird, dass die Nachrichten später auch dann nicht entschlüsselt werden können, wenn einer der beiden Langzeitschlüssel kompromittiert wurde.
Plausible Deniability, auf Deutsch glaubhafte Abstreitbarkeit, besteht dann, wenn die Gesprächsteilnehmer glaubhaft bestreiten können, dass eine Unterhaltung überhaupt stattgefunden hat.

Wenn Sie ein Messengersystem nur innerhalb Ihres Vereins einsetzen, bietet bereits die Transportverschlüsselung zu ihrem XMPP-Server einen hohen Schutz.

Um einen Messengerdienst im Verein zu implementieren, benötigt man einen XMPP-Server[noauthor_xmpp_nodate-2] und Client-Programme auf den Endgeräten der Mitglieder.
Die Auswahl sowohl an Servern als auch an Clients ist groß.

Die Grundfunktionen von XMPP werden von allen Servern unterstützt.
Wenn man spezielle Funktionen nutzen möchte, muss man sich die Leistungen der Server genauer anschauen.
Es gibt Implementierungen in verschiedenen Programmiersprachen.
Ejabberd [@noauthor_ejabberd_nodate] ist in Erlang geschrieben und einer der beliebtesten Server.
Er unterstützt auch die Konfiguration einer Single-Sign-On-Lösung mit Active Directory/LDAP.
Der XMPP-Server Prosody [@alvefur_welcome_nodate] ist in Lua programmiert, Openfire [@noauthor_ignite_nodate] in Java und Jackal [@ortuno_ortumanjackal_2021] in Go.
XMPP-Clients [@noauthor_xmpp_nodate-3] gibt es für alle Betriebssysteme und Endgeräte.

Da es sich bei XMPP um ein standardisiertes Protokoll handelt, können Nachrichten – wie bei E-Mail – auch mit Personen ausgetauscht werden, die kein Konto auf dem Vereins-Server haben.
Daher ist es mit XMPP möglich, Nicht-Vereinsmitglieder zu kontaktieren oder in einen Gruppen-Chat aufzunehmen.

Mattermost

Mattermost [@noauthor_mattermost_nodate-1] ist ein webbasierter Instant-Messaging-Dienst, der einen anderen Weg geht.
Es handelt sich bei Mattermost um einen Webservice auf einem zentralen Server, an dem alle Teilnehmer angemeldet sein müssen.

Mattermost unterstützt den Chat zwischen Einzelpersonen sowie über sogenannte Kanäle auch die Kommunikation in Gruppen.
Auf der Website des Herstellers wird Mattermost mit Slack und Microsoft Teams verglichen.
Die moderne Weboberfläche und seine Funktionsvielfalt machen Mattermost zu einer attraktiven Lösung, die die vereinsinterne Zusammenarbeit verbessern kann.
Die Anforderungen an die technischen Ressourcen sind höher als bei XMPP, da Mattermost eine datenbankbasierte Lösung ist.

Gegenüber proprietären Software-as-a-Service-Lösungen wie Slack oder Microsoft Teams bietet ein selbstgehosteter Mattermost-Server Vorteile beim Datenschutz.
Sämtliche Daten und Metadaten bleiben im Unternehmen und werden nicht an fremde Unternehmen transferiert und dort gespeichert.

Es stehen Clients [@noauthor_download_nodate] für alle wichtigen Betriebssysteme zur Verfügung.

Gegen Mattermost sprechen folgende Argumente.

  1. Die Software ermöglicht nur die Kommunikation mit Teilnehmern, die auf dem gleichen Server ein Konto besitzen.
    Wenn Sie mit Lieferanten, Kunden und freien Mitarbeitern kommunizieren wollen, müssen Sie den Personen zunächst ein Konto auf Ihrem Mattermost-Server einrichten.

  2. Mattermost wird nicht von einer unabhängigen Community, sondern von einem Unternehmen entwickelt und in unterschiedlichen Lizenzen vertrieben.
    Dadurch entsteht, obwohl Mattermost unter einer Open-Source-Lizenz steht, eine gewisse Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen, dessen Geschäftspolitik man als Nutzer in keinster Weise beeinflussen kann.

  3. Eine Single-Sign-On-Lösung, wie man sie zum Beispiel mit Active Directory/LDAP realisieren kann, wird nur von der kostenpflichtigen Enterprise-Edition unterstützt.

Rocket Chat

Rocket Chat [@noauthor_rocketchat_nodate] hat ein ähnliches Funktionsprinzip wie Mattermost.
Die Software unterstützt aber auch die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Servern (Federation [@noauthor_federation_nodate]), sodass Sie mit externen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten kommunizieren können, wenn diese auf einem anderen Rocket-Chat-Server ein Benutzerkonto haben.
Das System wird als Webservice auf einem zentralen Server installiert.
Benutzer können über Single-Sign-On-Lösungen verwaltet werden.
Die Funktionen von Rocket Chat decken sich im Großen und Ganzen mit denen von Mattermost.
Die Entwicklung wird von einer Community [@noauthor_help_nodate] getragen.
Es stehen Desktop und Mobile Apps [@noauthor_install_nodate] sowie Installationsroutinen für gängige Server-Deployments zur Verfügung.

Matrix/Element

Matrix [@noauthor_matrix_nodate-3] ist wie XMPP ein offener Standard [@noauthor_matrix_nodate-2] für die dezentralisierte Echtzeitkommunikation per Chat, IP- und Video-Telefonie.
Über sogenannte Bridges ist die Einbindung anderer Protokolle wie zum Beispiel XMPP möglich.
Die Entwicklung der Matrix Spezifikation wird von einer Stiftung [@noauthor_matrixorg_nodate] koordiniert.
Server- und Clientprogramme werden in der Regel unter einer freien Lizenz entwickelt.

Der Matrix-Client Element auf einem Android-Smartphone{width=12em}

Matrix ermöglicht wie E-Mail und XMPP die Kommunikation zwischen Personen, die auf verschiedenen Matrix-Servern ein Konto besitzen.
Dies macht aus Matrix ein universelles Kommunikationswerkzeug, das wie beim E-Mail-Verkehr Organisationsgrenzen überspringen kann.

\inouter{Politischer Rückenwind für Matrix}
Die Verbreitung von Matrix hat in den letzten Jahren Rückenwind von der Politik bekommen.
So wurde Matrix im Jahr 2018 von der französischen Regierung als Basis für einen sicheren Regierungs-Messengerdienst [@noauthor_matrix_nodate-1] ausgewählt.
Die deutsche Regierung evaluiert Matrix [@online_open_nodate] für den Einsatz bei der Bundeswehr.
Und die Gematik GmbH, eine Spitzenorganisation des deutschen Gesundheitswesens, hat sich für die Entwicklung ihres TI-Messengers [@noauthor_ti-messenger_nodate] ebenfalls für das Matrix-Protokoll entschieden.
Diese Erfolge, insbesondere im Gesundheitsbereich, wo Patientendaten besonders gut geschützt werden müssen, lassen auf eine weitere Verbreitung von Matrix hoffen.
Vielleicht kann das System in naher Zukunft sich zu einer echten Standardlösung entwickeln.

Es gibt verschiedene Clients [@noauthor_clients_nodate] für Matrix.
Der bekannteste ist Element, weshalb Matrix und Element oft in einem Atemzug genannt werden.

Der Referenzserver für Matrix ist Synapse.
Die Installation der Software wird im Hostsharing-Wiki [@noauthor_matrix_nodate] beschrieben.

Vereine, die einen eigenen Server für ihre Mitglieder betreiben, können auf Basis des Matrix-Clients Element [@noauthor_element_nodate] sogar eine eigene, gebrandete App entwickeln und über die App-Shops vertreiben.
Der LUKi e.V. betreibt einen Messengerdienst mit eigener App im kirchlichen Umfeld [@brakensiek_luki_2020].
Gemeinsam mit der Hostsharing eG konnte der Verein dabei die hohen datenschutz- und seelsorgerechtlichen Anforderungen erfüllen.

DeltaChat

DeltaChat [@noauthor_delta_nodate] ist ein Messenger, der die alt hergebrachte E-Mail-Infrastruktur nutzt.
Jeder Mensch mit einem E-Mail-Konto kann DeltaChat daher ohne weitere Vorbereitungen nutzen.
Man gibt die Zugangsdaten seines E-Mail-Kontos an und kann sofort loslegen.
Was DeltaChat von einem normalen E-Mail-Programm unterscheidet, ist die automatische Verschlüsselung aller Nachrichten, die über DeltaChat ausgetauscht werden.
Gleichzeitig ist DeltaChat anderen E-Mail-Programmen kompatibel, sodass man über das Programm nicht nur mit anderen DeltaChat-Benutzern kommunizieren kann, sondern mit allen E-Mail-Benutzern weltweit.

Das ist von Vorteil für Vereine, die keine weitere technische Infrastruktur neben ihren E-Mail-Konten pflegen wollen.
Sie können via DeltaChat ohne großen Aufwand sicher mit ihren Mitglieder kommunizieren.

Vereine können dazu einfach die E-Mail-Infrastruktur nutzen, die ihnen ihr Hostingpartner anbietet.
Es entstehen keine zusätzlichen Kosten durch die Pflege einer separaten Infrastruktur.

Die Teilnehmer können dabei ihre normale E-Mail-Adresse nutzen, da das Programm DeltaChat-Nachrichten in einen eigenen Ordner verschieben kann.
Alternativ können aber auch separate E-Mail-Konten ausschließlich für die Kommunikation über DeltaChat eingerichtet werden.
Damit verhindert man, dass normale E-Mails und DeltaChat-Nachrichten im gleichen E-Mail-Konto eintreffen.
Mitglieder im Verein bekämen also zwei E-Mail-Adressen:

  1. peter.m@example.com (als E-Mail-Adresse)
  2. peter.m-chat@example.com (für DeltaChat)

DeltaChat nutzt zur Verschlüsselung das Autocrypt-Verfahren [@noauthor_autocrypt_nodate], das auch einige andere E-Mail-Clients implementiert haben.
Die Interoperabilität von DeltaChat und anderen E-Mail-Clients könnte sich zukünftig verbessern.
Das Ziel dieses Standards ist es, die Verschlüsselung von E-Mail, die vielen Nutzern Mühe bereitet, zu automatisieren.

Briar

Briar [@noauthor_secure_nodate] ist ein Messenger, der anonymes Kommunizieren ermöglicht.
Es ist ein Peer-to-Peer-Messenger, der ohne einen zentralen Server auskommt.
Er wurde gezielt für Aktivisten, Journalisten und andere Personen entwickelt, die eine sichere, einfache und robuste Art der Kommunikation benötigen, die nicht von Polizei- und Geheimdiensten abgehört oder unterbrochen werden kann.

Briar kommuniziert über Bluetooth, WLAN und eine Internetverbindung, wobei das Anonymisierungsnetzwerk Tor [@noauthor_tor_nodate] benutzt wird.

Briar erlaubt den Austausch von Nachrichten über ein sogenanntes vermaschtes Netz [@noauthor_vermaschtes_2020] auch im Fall eines Internetausfalls.
Ob es damit auch für Katastrophenfälle geeignet ist [@kuketz_briar_nodate], wo eine schnelle, möglichst verzögerungsfreie Kommunikation erforderlich ist, sei allerdings dahingestellt.

Für Vereine, die in besonders sensiblen Bereichen zum Beispiel mit Gewaltopfern, Suchtkranken oder psychisch labilen Personen arbeiten, könnte Briar helfen, einen kommunikativen Schutzbereich einzurichten.

Briar ist vielseitig nutzbar.
Neben dem Austausch von Nachrichten unterstützt der Messenger private Gruppen und Foren.
Außerdem können die Nutzer anonyme Blogs schreiben und gegenseitig kommentieren und anonym RSS-Feeds aus dem Internet abonnieren.

Für einen Verein liegt der Vorteil von Briar vor allen Dingen darin, dass er keinerlei technische Infrastruktur für den Betrieb bereitstellen muss, da Briar als Peer-to-Peer-Software ohne zentrale Server auskommt.
Es reicht, den Mitgliedern die Nutzung von Briar zu empfehlen, um einen vertraulichen Kommunikationskanal im Verein zu etablieren.

Website

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[desktop]}}
Seit der Erfindung des World Wide Web durch Tim Berners-Lee im Jahr 1990 hat sich unsere Kommunikation dramatisch verändert.
Die eigene Website ist heute das wichtigste Kommunikationsmittel für Vereine geworden.
Wer sich über einen Verein informieren möchte, sucht als erstes nach dessen Website im Internet.
Wegen dieser überragenden Bedeutung der eigenen Website sollten Vereine ihre öffentliche Darstellung im Internet vorausschauend planen und sorgfältig pflegen.
Das Ziel lautet, die eigene Website zum vitalen Zentrum der digitalen Kommunikation zu machen.

Was moderne Websites heutzutage leisten sollten, füllt ein eigenes Handbuch.
Wir belassen es mit einer kurzen, unvollständigen Aufzählung.

  • Die Website sollte Besucher für die Ziele des Vereins begeistern (Attraktives Webdesign, mitreißende Inhalte).
  • Die Website sollte immer aktuell sein (Regelmäßige Pflege).
  • Die Website sollte jeden Besucher schnell zur relevanten Information führen (Gutes Informationsdesign).
  • Die Website sollte inhaltlich und strukturell so aufgebaut sein, dass sie in Suchmaschinen bei wichtigen Suchbegriffen weit oben erscheint (Suchmaschinenoptimierung).
  • Die Website sollte themenspezifische Seiten (Landingpages) enthalten, auf die man gut verlinken kann.

Die eigene Website kann grundsätzlich auf zwei Arten realisiert werden.

  1. als statische Website auf Basis von generierten HTML-Seiten
  2. als dynamische Website auf Basis eines CMS

Statische Website

Der Begriff statisch darf in diesem Zusammenhang nicht falsch verstanden werden.
Er besagt lediglich, dass die HTML-Seiten, die dem Besucher angezeigt werden, bereits als Datei auf dem Webserver vorliegen und nicht erst bei der Browseranfrage eines Besuchers aus einer Datenbank heraus generiert werden.

Die einzelnen Webseiten werden vorher mit Hilfe eines Static Website Generators erzeugt und anschließend auf dem Webserver abgelegt.
Aussehen und Verhalten der Website können aber sehr wohl einen modernen und dynamischen Eindruck machen.
Dies ist nämlich zum größten Teil vom Webdesign und den eingesetzten CSS- und Javascript-Frameworks abhängig.

Während man früher die Dateien, aus denen eine Website besteht, tatsächlich zunächst auf dem lokalen Rechner mit dem Generator erzeugt und anschließend per FTP auf den Webserver hochgeladen hat, nutzt man heutzutage modernere Technologien.
Statische Websites können mit der Versionierungssoftware Git verwaltet und – sobald eine Änderung gemacht wurde – in einem automatisierten Prozess direkt auf dem Webserver generiert werden.
Dazu muss der Website Generator allerdings auch auf dem Server installiert sein.

Die Vorteile einer statischen Website liegen auf der Hand.

  • Statische Websites sind in der Regel schneller als dynamische Websites auf Basis eines CMS, da die fertigen Ressourcen vom Webserver bloß ausgeliefert werden müssen.
    Ein CMS generiert die Webseite dagegen erst auf Anfrage, was je nach Konfiguration des CMS und Auslastung des Servers länger dauern kann.
  • Auf dem Webserver wird keine Datenbank benötigt.
    Das erhöht die Sicherheit, da die Angriffsfläche verkleinert wird.
  • Änderungen können mit Hilfe von Git versioniert werden.
    Falls eine Änderung nicht gefällt, kann der frühere Zustand schnell wieder hergestellt werden.

Für die Erstellung und Pflege einer statischen Website kommen einfache Texteditoren und die Kommandozeile zum Einsatz.

Beliebte Website-Generatoren sind Next.js [@noauthor_nextjs_nodate], Hugo [@noauthor_worlds_nodate], Gatsby [@noauthor_front_nodate] und Jekyll [@noauthor_jekyll_nodate].

Wenn es im Verein keine Personen gibt, die gewohnt sind, mit diesen Werkzeugen zu arbeiten, sollte ein CMS benutzt werden, bei dem die Änderungen im Browser vorgenommen werden.

Content Management Systeme

Content Management Systeme bestehen aus verschiedenen Komponenten, die in der Regel alle auf dem Server installiert und gepflegt werden müssen.
Neben dem eigentlichen CMS ist dies vor allem eine Datenbank, in der die Inhalte und andere Ressourcen gespeichert werden.

Der Vorteil eines CMS besteht darin, dass Inhalte über ein Web-Interface eingepflegt werden können.
Für beliebte CMS stehen zudem Erweiterungen zur Verfügung, sodass neue Funktionalität oft einfach hinzugefügt werden können.
Man sollte jedoch bedenken, dass mit jeder installierten Erweiterung der Wartungsaufwand steigt und komplexer wird.

Wordpress [@noauthor_blog-tool_nodate]

Der Platzhirsch unter den Content Management Systemen.
Ursprünglich war Wordpress ein Blog-System.
Dank zahlreicher Erweiterungen kann die Software zu den unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt werden.
Es gibt sogar Erweiterungen zur Integration eines Online-Shops in die Website.
Wordpress wird von der US-Firma Automattic Inc. zusammen mit der Community entwickelt und unter der GNU General Public License, Version 2 (oder höher) [@noauthor_gnu_nodate-1] vertrieben.

Typo3 [@noauthor_typo3_nodate]

Das CMS wird unter Leitung der Typo3 Association [@noauthor_typo3_nodate-1] von einer Community gepflegt und weiterentwickelt.
Dadurch ist Typo3 nicht von einem Unternehmen abhängig.
Typo3 wird unter der GNU General Public License vertrieben.

Contao [@noauthor_contao_nodate]

Contao wird unter der LGPL-3.0 [@noauthor_gnu_nodate-2] entwickelt.
Diese Lizenz gewährleistet ein schwaches Copyleft, d.h. dass Weiterentwicklungen nicht wie bei der GPL ebenfalls unter eine freie Lizenz gestellt werden müssen.
In der Praxis äußert sich dies im Allgemeinen in proprietären Erweiterungen.

Drupal [@noauthor_drupal_2018]

Drupal wird von Dries Buytaert gemeinsam mit der Community unter der GNU General Public License, Version 2 oder höher [@noauthor_gnu_nodate-1] entwickelt.

Joomla [@noauthor_joomla_nodate]

Joomla wird von der US-Firma Open Source Matters Inc. unter der GNU General Public License, Version 2 [@noauthor_gnu_nodate-1] entwickelt.

Redaxo [@noauthor_redaxo_nodate]

Redaxo wird von der Yakamara Media GmbH & Co. KG. aus Frankfurt am Main unter einer eigenen Lizenz entwickelt und vertrieben.

papaya CMS [@noauthor_papaya_nodate]

Das papaya CMS wird von der dimensional Ventures GmbH aus Köln unter der GNU General Public License, Version 2 [@noauthor_gnu_nodate-1] entwickelt.

OpenCms [@germany_opencms_nodate]

OpenCms wird von der Alkacon Software GmbH & Co. KG aus Köln unter der GNU Lesser General Public License [@noauthor_gnu_nodate-2] entwickelt.

Plone [@noauthor_startseite_nodate]

Das CMS Plone wird von der Plone Foundation und einer weltweiten Community unter der GNU General Public License, Version 2 [@noauthor_gnu_nodate-1] entwickelt.

Neos [@noauthor_neos_nodate]

Neos wird von der Neos Foundation CIC mit Sitz in Großbritannien unter der GNU General Public License v3 [@noauthor_gnu_nodate-3] vertrieben.
Eine CIC (Community Interest Company) ist eine gemeinnützige Unternehmensform nach britischem Recht. [@noauthor_community_2021]

Django [@noauthor_web_nodate]

Django ist ein Web Framework und ein CMS, das von der Django Software Foundation unter einer BSD-artigen Lizenz [@noauthor_djangodjango_2021] entwickelt und vertrieben wird.

Wikis

Wikis sind Systeme zur kollaborativen Generierung von Wissen.
Das bekannteste Beispiel eines Wikis ist Wikipedia.
Wir werden ihnen auch im Kapitel Projektmanagement und Ticketsysteme begegnen, da sie häufig ein Bestandteil solcher Systeme sind.
Wenn der Vereinszweck die öffentliche Vermittlung von Wissen in einem bestimmten Bereich ist, kann sich ein Wiki auch als Website des Vereins eignen.
Das Wissens-Wiki wird damit quasi zur Homepage des Vereins.

Es gibt viele Wiki-Systeme. [@noauthor_liste_2021-1]
Sie einzeln aufzuzählen und zu bewerten würde hier zu weit führen.
Deshalb seien nur drei genannt:

MediaWiki [@noauthor_mediawiki_nodate]

Das bekannteste Wiki-Programm.
Mit MediaWiki wird Wikipedia betrieben.
Die Software ist unter der GPL 2.0 lizensiert und in PHP programmiert.
Für den Betrieb wird eine relationale Datenbank wie MariaDB oder PostgrSQL benötigt.

DokuWiki [@noauthor_dokuwiki_nodate]

Die Software ist ebenfalls in PHP implementiert und unter der GPL 2.0 lizensiert.
Sie kommt ohne Datenbank aus, da Inhalte und Metadaten als Textdateien gespeichert werden.

MoinMoinWiki [@noauthor_moinmoinwiki_nodate]

Das Wiki ist in der Programmiersprache Python geschrieben und unter der GPL lizensiert.
Es benötigt keine Datenbank.

Office

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[keyboard]}}
Briefe schreiben, Einnahmen und Ausgaben verwalten, Präsentationen erstellen – ein Großteil der Arbeiten, die in der Geschäftsstelle eines Vereins anfallen, können mit den Werkzeugen einer Office-Suite erledigt werden.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie, als viele Geschäftsstellen geschlossen werden mussten und die Vereinsmitarbeiter im Home Office arbeiteten, stellt sich für Vereine die Frage, ob sie ein Online-Office nutzen sollen.
Wenn ohnehin die Daten eines Vereins den Mitarbeitern und freiwilligen Helfern überall zur Verfügung stehen sollen, ist diese Frage naheliegend.
Vereine ohne Geschäftsstelle, Gründungsinitiativen, die noch nicht über ein gemeinsames Büro verfügen, aber auch spontan gebildete Arbeitsgruppen nutzen gerne Werkzeuge aus der Cloud wie Google Docs, um schnell und ohne großen technischen Aufwand zusammenzuarbeiten.
Google Docs und andere Cloud-Angebote von US-Konzernen sind aber auf Dauer wegen der Datenschutzproblematik für Vereine keine Lösung.

LibreOffice

Das freie Office-Paket LibreOffice[@noauthor_home_nodate] umfasst die Textverarbeitung LibreOffice Writer, die Tabellenkalkulation LibreOffice Calc, die Präsentationssoftware LibreOffice Impress, das Zeichenwerkzeug LibreOffice Draw, den Formeleditor LibreOffice Math und die Datenbank LibreOffice Base.

LibreOffice ist freie Software in Reinkultur.
Die Suite wird von einer Stiftung deutschen Rechts [@noauthor_home_nodate-1], der Document Foundation geführt und ist damit nicht den Unwägbarkeiten kommerzieller Interessen ausgeliefert.
Außerdem wird die Software von einer breiten Community entwickelt, die nicht von einem Unternehmen dominiert wird.
Mit LibreOffice steht für alle Betriebssysteme eine einheitliche Open-Source Office-Umgebung kostenlos und nachhaltig frei zur Verfügung.
Die Software lässt sich ohne die übliche Lizenzproblematik, die bei proprietärer Software entsteht, auf den Arbeitsplatzrechnern aller Mitarbeiter installieren und nutzen.

LibreOffice ist eine klassische Office-Suite und kein Online-Office für den Browser.
Dennoch lässt sich LibreOffice in Kombination mit einer Cloud-Lösung wie Nextcloud oder Owncloud kombinieren, die beide im Kapitel Dateiablage beschrieben werden.
Die zentral in der Cloud gespeicherten Dokumente werden von LibreOffice heruntergeladen, lokal auf dem eigenen Rechner bearbeitet und beim Speichern wieder in der Cloud abgelegt.
Das hat im Vergleich zu einer Online-Office-Lösung den Vorteil, dass man beim Arbeiten die volle Leistung seines Computers ausnutzen kann.
Man ist auch etwas unabhängiger von der Netzverbindung.
Eine langsame Internetverbindung stört nicht den Arbeitsfluss.
Lediglich beim Speichern eines Dokuments wird die Internetverbindung benötigt.

Die Verbindung zur Cloud wird über
WebDAV [@noauthor_webdav_2021] oder mit einem Synchronisations-Programm von Nextcloud [@nextcloud_install_nodate] bzw. Owncloud [@noauthor_desktop_nodate] hergestellt.
Unter dem Gesichtspunkt der digitalen Souveränität wäre die Einbindung der Cloud über WebDAV einer Dateisynchronisierung mit Hilfe eines Clients der Cloud-Hersteller vorzuziehen.
WebDAV ist ein standardisiertes Protokoll [@noauthor_rfc4918_nodate], die Dateisynchronisierung ist dagegen nur über eine Anwendung der Hersteller möglich, wodurch die Abhängigkeit zu dem Hersteller der Cloud-Software erhöht wird.

Falls ein und dasselbe Dokument von verschiedenen Personen bearbeitet wird, sind Vorkehrungen zu treffen, die verhindern, dass die einzelnen Bearbeiter gegenseitig ihre Änderungen an dem Dokument überschreiben. [@noauthor_nextcloud_2021]

TeX/LaTeX/ConTeXt

An dieser Stelle soll eine Alternative zur Textverarbeitung nicht unerwähnt bleiben: TeX.
TeX ist ein Satzprogramm für den hochqualitativen Buchdruck, das von dem US-amerikanischen Informatiker Donald E. Knuth von 1977 bis 1986 entwickelt wurde. [@noauthor_tex_2021]
Populär wurde TeX durch das Macropaket LaTeX[@noauthor_latex_2021], das Leslie Lamport entwickelt hat.
TeX/LaTeX ist wegen seiner Qualitäten besonders im wissenschaftlichen Umfeld beliebt.
Eine weitere Implementierung von TeX ist das von Hans Hagen und Pragma ADE entwickelte ConTeXt. [@noauthor_context_2020]

In Deutschland kümmert sich mit dem DANTE e.V. ein Verein um die Belange der TeX-Anwender. [@noauthor_dante_nodate]

Online Office

Für die Open-Source Cloud-Systeme Nextcloud und Owncloud stehen zwei Online-Office-Lösungen zur Verfügung: Collabora und OnlyOffice.

Collabora

Collabora Office wird von der Firma Collabora Ltd mit Sitz in Cambridge, England, entwickelt und kommerziell vermarktet.
Unter dem Namen Collabora Online Development Edition (CODE) [@noauthor_collabora_nodate] bietet die Firma eine Open-Source-Version ihres Produkts mit reduzierter Funktionalität unter der Mozilla Public License v. 2.0[@noauthor_mozilla_nodate-1] an.

Mit CODE können Office-Dokumente im Webbrowser von mehreren Personen gleichzeitig bearbeitet werden.
Es sollten aber nicht zu viele Personen sein.
Co-Working mit zwei oder drei Personen ist flüssig möglich, wenn es jedoch mehr werden, gibt es schnell Probleme.

OnlyOffice

OnlyOffice wird von der Firma Ascensio System entwickelt, die Büros in Lettland, dem Vereinigten Königreich und den USA hat.
OnlyOffice ist ein Online-Editor für Office-Dokumente, der im Browser betrieben wird.
Ascensio bietet eine Open-Source-Version unter der GNU Affero General Public License v3.0 [@noauthor_gnu_nodate-4] an.

Mit OnlyOffice können wie bei Collabora mehrere Personen im Webbrowser ein und dasselbe Dokument gleichzeitg bearbeiten.
Die Oberfläche von OnlyOffice erinnert an die von Word.
Die Bearbeitung mit mehreren Personen scheint in OnlyOffice etwas flüssiger von der Hand zu gehen als in Collabora.
OnlyOffice benötigt keine Ressourcen auf dem Server wie Collabora, da es im Webbrowser der Benutzer läuft.

OnlyOffice speichert Änderungen am Dokument zunächst in einer Datenbank und nicht in den Dokumenten in Nextcloud.
Die Änderungen werden erst, wenn kein Bearbeiter mehr das Dokument geöffnet hat, nach einer gewissen Zeit in die Nextcloud-Dateien übertragen.

Kollaborative Pads

Wenn man Texte zusammen mit anderen Personen erstellen will, bieten sich Pads an.
Ein Pad ist ein webbasierter Texteditor, in dem mehrere Personen gleichzeitig an einem Text arbeiten können.
Es ist schlanker als ein komplettes Online Office und damit leichter zu warten.

Als Software kommen Etherpad-lite[@noauthor_etherpad_nodate], Cryptpad[@noauthor_cryptpad_nodate], das Daten verschlüsselt speichert oder HedgeDoc[@noauthor_hedgedoc_nodate] in Frage.

Nextcloud Text[@noauthor_nextcloud_2021-1] ist ein kollaborativer Markdown-Editor, der in Nextcloud zur Verfügung steht.

Cloud und Dateisynchronisierung {#sec:dateiablage}

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[cloud]}}
Remote-Work ohne eine gemeinsame Dateiablage ist nahezu undenkbar.
Viele Vereine stehen deshalb vor der Frage, wie sie ihren Ehrenamtlichen und Festangestellten übers Internet sicher und datenschutzrechtlich einwandfrei Zugriff auf Dateien und Dokumente ermöglichen können.
Eine beliebte Lösung für diese Aufgabe sind Open-Source Cloud-Anwendungen wie Nextcloud und Owncloud, zumal sie neben der gemeinsamen Dateiablage über weitere nützliche Funktionen verfügen.
Bevor wir uns diesen Lösungen zuwenden, sollen jedoch eine Lösung erwähnt werden, die ohne einen zentralen Server auskommt.

Syncthing

Mitunter reicht es Daten zwischen Rechnern zu synchronisieren, ohne einen Server dazwischenzuschalten.
Ein Tool wie Syncthing[@noauthor_syncthing_nodate] synchronisiert einen geteilten Ordner nahezu ohne Verzögerung zwischen den beteiligten Rechnern.
Ein zentraler Server wird dafür nicht benötigt, da die Synchronisierung über eine Peer-to-Peer-Verbindung realisiert wird.
Die Daten werden in verschlüsselter Form direkt zwischen zwei oder mehreren Rechnern synchronisiert, sodass auf allen Rechnern die identischen Daten zur Verfügung stehen.
Alle Mitarbeiter, die miteinander einen Ordner teilen, haben die Daten direkt auf ihren lokalen Rechnern und können damit arbeiten, egal wo sie sich befinden.
Die Synchronisierung erfolgt kontinuierlich im Hintergrund, sodass nach dem Speichern die veränderte Datei sofort an die anderen Rechner übertragen wird.
Mit Syncthing kann man auch große Datenmengen auf praktische Art und Weise miteinander teilen, ohne einen Online-Dienst dazwischenzuschalten.

SyncThing funktioniert in der Regel sofort, nachdem die Endgeräte miteinander bekannt gemacht und ein Ordner geteilt wurde.
Eventuell müssen Firewall-Regeln angepasst werden.[@noauthor_firewall_nodate]

Da Syncthing ohne zentralen Server auskommt und der gesamte Datenverkehr verschlüsselt ist, reduziert diese Lösung gegenüber Nextcloud oder Owncloud, die einen zentralen Server benötigen, die Angriffsfläche.
Außerdem ist ein Syncthing in einem kleinen Kreis von Mitarbeitern sehr schnell eingerichtet.
Die Teilnehmenden müssen nur die Software herunterladen und auf ihren lokalen Rechnern installieren, einen Schlüssel austauschen und dann die entsprechenden Ordner teilen.
Da auf jedem beteiligten Rechner in der Regel eine vollständige Kopie des Datenbestandes hergestellt wird, schützt die Lösung in gewisser Weise auch gegen einen Datenverlust bei Ausfall eines Rechners.
Eine professionelle Backup-Lösung kann Syncthing aber nicht ersetzen.

Für kleine Arbeitsgruppen ist Syncthing gut geeignet, wenn der Kreis der Beteiligten größer wird, eignen sich gehostete Cloud-Lösungen besser.

Git und Git-annex

Git[@noauthor_git_nodate] ist ein Werkzeug für das Versionsmanagement von Code.
Es unterstützt dezentrale Entwicklerteams bei der gemeinsamen Arbeit am Code.
Textbasierte Informationen wie Plaintext-Dateien oder CSV-Dateien für Tabellenkalkulationen lassen sich damit auch gut verwalten, sodass Vereine mit einem technisch versierten Team sich auch solcher Werkzeuge bedienen kann.

Binäre Dateien wie Bild- und Mediendateien lassen sich nicht gut mit Git verwalten.
Allerdings gibt es mit Git-annex[@noauthor_git-annex_nodate] eine Erweiterung, die auch dies ermöglicht.

Nextcloud & ownCloud

Nextcloud [@nextcloud_nextcloud_nodate-1] und ownCloud [@noauthor_owncloud_nodate] sind Cloud-Lösungen zum Selberhosten, die es ermöglichen, Daten online zu speichern und mit anderen Menschen zu teilen.
Die Systeme können durch viele nützliche Funktionen erweitert werden, sodass sich zum Beispiel auch Kalender, Adressdatenbanken und Aufgabenlisten zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren lassen.

Die Softwarelösungen ownCloud und Nextcloud sind nicht nur in technischer Hinsicht sehr ähnlich; sie haben auch eine gemeinsame Geschichte.
ownCloud entstand 2010 und NextCloud spaltete sich 2016 als Fork von dem Projekt ab.

Beide Projekte wurden in den letzten Jahren immer beliebter.
Sie konnten auch in öffentlichen Ausschreibungen punkten.
So sollen die Kommunen in Bayern mit einer so genannten BayernBox[@noauthor_bayernbox_nodate] ausgestattet werden: einer Cloud auf Basis von ownCloud.
Die Firma NextCloud gewann nicht nur die Ausschreibung zur Bundescloud [@noauthor_bundescloud_2021], sondern auch Großaufträge in Frankreich, Schweden und den Niederlanden. [@noauthor_cloud-dienste_nodate]

Die freien Open-Source Clouds verfügen über umfangreiche Groupware-, Kollaborations- und Kommunikationsfunktionen.
Sie erfüllen für dezentral arbeitende Teams gleich mehrere Aufgaben, sodass sie für Anwender interessant sind, die gerne auf integrierte Lösungen setzen.
Zu den Kernfunktionen gehört die gemeinsame Dateiablage.
Man kann über die Clouds Dateien zwischen verschiedenen Endgeräten synchronisieren, mit anderen Benutzern teilen und gemeinsam bearbeiten oder für externe Personen freigeben.
Apps für den Desktop oder das Smartphone erleichtern den Zugriff auf die Daten.
Der Cloud-Speicher wird dabei ins lokale Dateisystem eingehängt.
Alternativ ist der Zugriff über andere Protokolle wie zum Beispiel Webdav möglich.

Eine weitere, häufig benutzte Funktion ist die gemeinsame Pflege von Kalendern und Kontakten über den Webbrowser oder eine Synchronisation mit entsprechenden Programmen auf dem Desktop oder einem mobilen Endgerät.
Die Synchronisation funktioniert zum Beispiel mit Thunderbird auf allen wichtigen Betriebssystemen, aber auch mit Apple-Geräten oder mit Hilfe der DAVx5-App [@noauthor_caldavcarddav_nodate] auf Android-Smartphones.

Im beruflichen Alltag ist das Zugriffsmanagement von großem Interesse.
Für die Benutzerverwaltung können neben der Cloud-internen auch Single-Sign-On-Lösungen wie LDAP oder OAuth genutzt werden.
Die Benutzer können in Gruppen organisiert werden, denen man in ausgewählten Ordnern genau definierte Rechte zuweist.

NextCloud besitzt sogar ein einfaches Gerätemanagement, mit dem man den Zugriff auf bestimmte Endgeräte begrenzen kann, sodass ein Mitarbeiter beispielsweise nur von seinem beruflichen Notebook auf die Daten zugreifen kann.
Häufig ist es wünschenswert nach Beendigung eines Projekts die überflüssigen Daten auf den Rechnern der Mitarbeiter aus der Ferne zu löschen.
In NextCloud heißt diese Funktion Remote Wipe.
Sie stellt sicher, dass Unternehmensdaten nicht irrtümlich auf einem Mitarbeitergerät verbleiben.

Im Marketplace von ownCloud [@noauthor_owncloud_nodate-1] und dem NextCloud App Store [@noauthor_alle_nodate] findet der Anwender zahlreiche Plugins, die er einfach nachinstallieren kann.
Damit lässt sich die Cloud zum Beispiel um Projektmanagement- und Messenger-Funktionen oder um ein Online-Office-Paket wie Collabora oder OnlyOffice erweitern.

Bei der Entscheidung, eine freie Cloudlösung zu nutzen, stehen häufig Überlegungen zum Datenschutz im Vordergrund.
Da es sich bei den Daten, die ein Verein verwaltet, häufig um personenbezogene Daten handelt, greift hier fast immer die europäische Datenschutz-Grundverordnung, die bei Verstößen hohe Bußgelder vorsieht.

Die strengen Vorschriften der EU-DSGVO und des Bundesdatenschutzgesetzes sind natürlich sehr viel leichter zu erfüllen, wenn man seine Cloud auf eigenen Servern in einem deutschen Rechenzentrum mit quelloffener Software selbst betreibt, als wenn man auf die Cloud eines großen IT-Konzerns zurückgreift.

NextCloud und ownCloud lassen sich leicht hosten.
Trotz der vielfältigen Funktionen ist die Software vergleichsweise einfach zu installieren [@noauthor_nextcloud_nodate] und benötigt zunächst auch nur geringe Ressourcen.
Mitglieder von Hostsharing betreiben Clouds bereits im kostengünstigen Managed Webspace. [@noauthor_webspace_nodate]
Bei höheren Anforderungen empfiehlt Hostsharing seinen Mitgliedern jedoch einen Managed Server. [@noauthor_managed_nodate]

Die Leistung der Cloud lässt sich softwareseitig optimieren.
So macht Redis [@noauthor_redis_nodate] mit seinen Caching-Funktion das Arbeiten im Browser flüssiger.

Mitgliederverwaltung

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[users]}}

Hier geht es darum, wie die Daten der Mitglieder strukturiert erfasst und gepflegt werden. Früher hat man Karteikarten benutzt, danach vielleicht eine Excel Liste, und heute benutzt man eine CRM Software. CRM steht für Customer-Relationship-Management oder Constituent-Relationship-Management. Nicht nur die Daten von Kunden, sondern auch die Daten von Mitgliedern, Unterstützern und Mitarbeitern müssen gepflegt werden.
Dabei ist zu beachten, dass diese Daten personenbezogene Daten sind, und daher besonderen Schutz nach der DSGVO genießen. Es sollte daher die Möglichkeit geben, Einwilligungen der Personen zu protokollieren, und z.B. E-Mail Sendungen nur an Personen zu schicken, die entsprechend eingewilligt haben. Es muss auch Möglichkeiten geben, Personen auf Wunsch aus der Datenbank zu entfernen oder zu anonymisieren.

Ist die Software zentral installiert, und mehrere berechtigte Personen haben Zugriff auf die Daten, mit Berechtigungsstufen. Oder ist es nur ein PC im Vereinsheim, wo man mit den Daten arbeiten kann?

Gerade bei gemeinnützigen Vereinen ist es sinnvoll, wenn man mit der Mitgliederverwaltung auch die Spenden und Mitgliederbeiträge abrechnen und gegebenenfalls Zuwendungsbestätigungen ausstellen kann.
Wenn die Mitgliederverwaltung auch noch mit der Buchführung integriert ist, spricht man von einem ERP System. ERP steht für Enterprise-Resource-Planning.
Dann kann man auch gleich noch den Webshop integrieren, und die Verkäufe und Lagerstände in dem ERP System abbilden.

Aber im folgenden soll es hauptsächlich um Software für die Mitgliederverwaltung gehen.

CiviCRM

Diese Software hat als Zielgruppe Non-Profit-Organisationen, Verbände, Vereine und Stiftungen.
Die erste Version 1.0 wurde bereits im Jahr 2005 veröffentlicht. CiviCRM wurde im Jahr 2010 von der Free Software Foundation offiziell als Kontaktverwaltungssystem für Non-Profit-Organisationen empfohlen.
Weitere Details sind bei Wikipedia zu finden.[@noauthor_civicrm_2021]

Es gibt eine große internationale Community, aber auch in Deutschland gibt es eine starke Unterstützergemeinschaft.

Die Software ist in PHP und Javascript geschrieben. CiviCRM ist keine eigenständige Software, sondern setzt auf etablierte Content Management Systeme auf: Wahlweise kann Drupal, Joomla oder WordPress zum Einsatz kommen. Dabei bietet Drupal die beste Integration mit CiviCRM und die meiste Flexibilität.[@noauthor_choosing_nodate]

basxConnect

OpenPetra

OpenPetra ist eine freie Verwaltungssoftware für gemeinnützige Werke und Vereine.
Die Software steht unter der GPL Lizenz Version 3 oder höher.[@noauthor_gnu_nodate-5] und wurde ursprünglich für Missionsorganisationen entwickelt.
Produktive Vorläufer der Software entstanden bereits in den 90er Jahren, sodass die Entwickler über ein entsprechend vertieftes Verständnis für die Anforderungen der Zielgruppe verfügen.
Die Software ist modular aufgebaut und unterstützt das Kontaktmanagement, die Buchhaltung und Patenschaften.

Buchführung

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[euro-sign]}}

Projektmanagement und Ticketsysteme {#sec:projektmanagement}

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[tasks]}}
Ticketsysteme und Programme fürs Projektmanagement dienen im weitesten Sinne der Arbeitsorganisation.
Sie unterscheiden sich jedoch in Zweck und Funktion.
Für Ticketsysteme kursieren zahlreiche Begriffe wie Helpdesk- oder Serviceticket-Systeme.
Sie dienen dazu, einzelne Anfragen und Vorfälle, auf die man reagieren muss, aufzunehmen und nachvollziehbar abzuarbeiten.
Eine Variante dieser Systeme in der Software-Entwicklung ist der Bugtracker.
Er dient dazu, Fehler in der Software (Bugs) und Erweiterungswünsche der Nutzer aufzunehmen, zu kategorisieren und zu bearbeiten.

Beim Projektmanagement geht es darum, die Durchführung von umfangreicheren Projekten zu planen und die Erreichung von Teilzielen oder Meilensteinen nachzuverfolgen und damit den Fortschritt des Projekts zu kontrollieren.
Dabei können Methodiken wie Kanban[@noauthor_kanban_2021] oder Scrum[@noauthor_scrum_2021] angewendet werden.

Da Ticketsysteme und Software für das Projektmanagement in die innerbetrieblichen Prozesse eingreifen, sind pauschale Empfehlungen für oder gegen eine bestimmte Software nicht sinnvoll.
In der Regel wird man um eine intensive Evaluation nicht herumkommen, denn neben der guten Integration in die Arbeitsprozesse ist die Benutzerfreundlichkeit entscheidend für die Akzeptanz eines Systems im Verein.
Und beides lässt sich nur unter realistischen Bedingungen testen.

Persönliche Daten, wie sie bei einem Helpdesk- oder Ticketsystem zuhauf anfallen, gehören nicht in die Öffentlichkeit.
Für solche Systeme sind die Datenschutzbestimmungen der EU-DSGVO zu beachten und besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Ein beispielhaftes Open-Source-Programm für den Einsatz im Service ist Znuny [@noauthor_home_nodate-2], ein Fork von ((OTRS)).
Der Source Code ist unter der GNU General Public License (GPL v3) lizensiert.
Znuny erstellt unter anderem für jede eingehende E-Mail ein Ticket, das automatisch oder manuell in eine bestimmte Bearbeitungs-Queue geschoben wird.

Typische Open Source Bugtracker sind Trac [@noauthor_trac_nodate] und Roundup [@noauthor_roundup_nodate].

Ein freies Projektmanagementsystem, das Kanban und Scrum unterstützt, ist Taiga[@noauthor_taiga_nodate].
Beim Arbeiten nach Kanban gibt es ein Board, auf dem die Stories je nach Bearbeitungsstatus von links nach rechts wandern.
Für die Arbeit nach Scrum steht ein Backlog zur Verfügung, aus dem Stories für einen Sprint ausgewählt werden können.
Daneben können aus einem Tracker auch Issues einem Sprint zugeordnet werden.
Der Sprint wird auf einem eigenen Board verwaltet.
Leider ist es in der aktuellen Version nicht möglich, Epics, Stories, Tasks und Issues zwischen Projekten zu verschieben.
Taiga besteht aus einem Backend, das in Python 3 und Django geschrieben ist, sowie einem Frontend, das mit AngularJS und Coffeescript entwickelt wurde.
Taiga wird von dem gleichnamigen Unternehmen Taiga Agile LLC unter der GNU Affero General Public License v3.0 [@noauthor_gnu_nodate-4] entwickelt.

Zwischen dem Ticketsystem Znuny auf der einen Seite und dem Projektmanagementsystem Taiga auf der anderen, gibt es zahlreiche Open-Source Programme, die beides – Ticketmanagement und Projektmanagement – miteinander kombinieren.

Zu dieser Gruppe gehört beispielsweise Redmine [@noauthor_overview_nodate], eine freie, webbasierte Projektmanagement-Software.
Sie kann für die Benutzer- und Projektverwaltung sowie für Diskussionsforen, Wikis, aber auch zur Ticketverwaltung oder Dokumentenablage genutzt werden.
Mit Hilfe von Plugins kann der Funktionsumfang erweitert werden.
So lässt sich Redmine zum Beispiel für agiles Arbeiten [@noauthor_agile_nodate] konfigurieren.
Redmine wurde in Ruby programmiert, nutzt das Framework Ruby on Rails und wird unter der freien GNU General Public License v2 vertrieben.
Viele nützliche Funktionen sind jedoch in der freien Community-Version nicht verfügbar.

Ebenfalls in Ruby geschrieben ist OpenProject [@noauthor_openproject_nodate], das von der OpenProject GmbH unter der GNU Public License entwickelt wird.
Es ist ein Fork von Redmine.
Die Software besitzt einen großen Funktionsumfang, allerdings sind einige Funktionen nur in der kostenpflichtigen Enterprise-Version verfügbar.
Hierzu gehören Funktionen für agiles Projektmanagement nach Scrum und Kanban.

Im Wiki von Hostsharing gibt es Installationsanleitungen für einige der hier erwähnten Programme.

Social Media {#kap-socialmedia}

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAB[mastodon]}}
Die Social Media Welt erlebt zurzeit eine Revolution.
Immer mehr Menschen wechseln von Facebook, Twitter und Instagram zu dezentralen freien Plattformen wie Mastodon [@noauthor_mastodon_2021], Hubzilla [@noauthor_zotlabshubzilla_nodate] oder Friendica [@noauthor_friendica_2021].
Seit der Verabschiedung eines internationalen Standards für Social Media (ActivityPub [@noauthor_activitypub_nodate]) nimmt diese Entwicklung richtig Fahrt auf.
Neben den oben erwähnten Microblogging-Plattformen gibt es ActivityPub-Lösungen für das Teilen von Fotos wie Pixelfed [@noauthor_pixelfed_nodate], von Musik (Funkwhale [@noauthor_funkwhale_nodate]) oder von Videos (Peertube [@noauthor_joinpeertube_nodate]).
All diese Plattformen können untereinander Informationen austauschen, sodass man Personen und Organisationen plattformübergreifend folgen kann.

Im Fediverse sind soziale Netzwerke miteinander verbunden. Lemmy nutzt das ActivityPub-Protokoll (blau).{width=12cm}

Eine Präsenz auf einem dieser freien Netzwerke ist deshalb auch für Vereine interessant.

Mitglieder von Hostsharing bekommen auf Wunsch einen eigenen Account auf der Mastodon-Instanz hostsharing.coop [@noauthor_hostsharingcoop_nodate].

Videokonferenzen

\inouter[]{\color[hs-orange]{\tfd \FAS[video]}}
In den Lockdowns der Corona-Pandemie waren Videokonferenzen häufig die einzige Möglichkeit für Vereine mit ihren Mitgliedern in einem möglichst persönlichen Kontakt zu bleiben.
Wer datenschutzkonform Videokonferenzen mit Angestellten, Ehrenamtlichen und Vereinsmitgliedern durchführen möchte, kann ein Open Source Videokonferenzsystem nutzen.
Wenn diese Systeme selbst gehostet oder bei einem vertrauenswürdigen Partner betrieben werden, lassen sich hohe Datenschutzanforderungen gewährleisten, wie sie zum Beispiel in der psychosozialen Beratung von Selbsthilfegruppen erforderlich sind.

Nextcloud Talk

Talk [@nextcloud_nextcloud_nodate] ist eine Erweiterung von Nextcloud, die Peer-to-Peer Videokonferenzen mit einer kleinen Anzahl von Teilnehmern ermöglicht.
Dank Screen-Sharing kann es auch für kleine Einzel- und Gruppenschulungen genutzt werden.
Die Integration in Nextcloud verspricht eine praktische Ergänzung der gemeinsamen Bürofunktionen.
Dateien, Kalender und sonstige Daten, die in Nextcloud verwaltet werden, können während der Videokonferenz bequem miteinander geteilt werden.

Wer schon eine Nextcloud betreibt, kann Talk als App im Konfigurationsmenü nachinstallieren. [@noauthor_talk_nodate]
Die Lösung ist grundsätzlich sofort nutzbar.
Falls Probleme auftreten, ist die Installation eines eigenen STUN- und TURN-Servers empfehlenswert.
Die dafür notwendige Software (coturn) ist bei Hostsharing bereits vorinstalliert.
Der Server muss lediglich konfiguriert und als Dienst gestartet werden.
Eine Anleitung dazu gibt es im Wiki von Hostsharing. [@noauthor_coturn_nodate]

Nextcloud Talk zeigte in Tests, die Hostsharing durchführte, nicht in jedem Fall zuverlässige Qualität.
Wir empfehlen es deshalb im Moment nur für die Anwendung in kleinen Gruppen.

Jitsi Meet

Jitsi Meet [@noauthor_about_nodate] ist eine eigenständige Videokonferenzlösung.
Sie wird von einer Community als Open-Source-Software [@noauthor_jitsi_2021] entwickelt.

Jitsi Meet ist ein einfach und intuitiv zu nutzendes System.
Die Teilnehmer benötigen lediglich einen Browser, der das WebRTC-Protokoll unterstützt, um an einer Online-Konferenz teilzunehmen.
Sie müssen kein Konto einrichten.
Damit eignet sich Jitsi Meet gut für Ad-hoc-Konferenzen mit Personen, für die man nicht erst umständlich einen Account einrichten möchte.

Für Smartphones gibt es Apps, mit denen man die Verbindung zum Jitsi-Server aufbaut.
Sie stehen für Android bei Google Play [@noauthor_jitsi_nodate-2] und bei F-Droid [@noauthor_jitsi_nodate-1] zum Download bereit.
Eine App für iOS findet sich im Apple App Store. [@noauthor_jitsi_nodate]

BigBlueButton

BigBlueButton [@noauthor_bigbluebutton_nodate-1] ist eine ausgereifte Webkonferenz-Lösung, die sich insbesondere für Schulungen und Präsentationen eignet.
So besitzt die Software beispielsweise ein Whiteboard, und man kann Abstimmungen durchführen.
Die Lösung verfügt zudem über zahlreiche Moderationsfunktionen, mit denen Konferenzen mit vielen Personen gut geleitet werden können.
Die Hardwareanforderungen beginnen bei vier CPU-Threads und mindestens acht GB Arbeitsspeicher.
Das Hostsharing-Team nutzt die Lösung für interne Schulungen und Konferenzen.

Gute Erfahrungen machen Teilnehmer, die in einer Videokonferenz einen Gebärdendolmetscher brauchen.
Der Videostream des Dolmetschers lässt sich mit der Bild-in-Bild-Funktion ablösen, vergrößern und beliebig auf dem Monitor positionieren.
So lassen sich die Gesten des Dolmetschers besser erkennen.

Und was jetzt?

Nachdem dem Überblick über die Anwendungsfelder freier Software stellt sich nun die Frage, wie es konkret weitergeht.

Quellenverzeichnis